Anklage Mord – Ein Freund vor Gericht

BR Dokumentarfilm, 90 min (2009/2010)

Ein Mordfall und ein Verfahren aus einer höchst ungewöhnlichen Perspektive: Kein Gerichtsdrama, sondern die Geschichte einer Gruppe von jungen Menschen um die 30 – alle studiert und etabliert in ihren Berufen – die zu einem Schulfreund halten, der angeklagt ist, aus Geldgier seine Tante brutal erschlagen zu haben. Mit ihren Augen erleben wir einen Indizienprozess, bei dem das Urteil von Anfang an sicher scheint. Trotzdem mag keiner von ihnen an die Schuld des Freundes glauben. Sie kennen den vermeintlichen Täter alle lange und gut – einen Mord, und noch dazu so brutal, traut ihm keiner zu. Und das in der Anklage unterstellte Motiv, Habgier, kann sie erst recht nicht überzeugen.

Sie glauben, dass die Ermittler wichtige Spuren nicht verfolgen. Sie sind entsetzt, weil das Gericht Beweisanträge der Verteidigung ohne für sie nachvollziehbare Gründe ablehnt, und sie sind enttäuscht darüber, dass Befangenheitsanträge der Verteidigung gegen das Gericht zurückgewiesen werden. Ihr Freund kann und darf nicht schuldig sein! Aber was, wenn er tatsächlich schuldig wäre? Wie konnte jemand, der keiner Fliege ein Haar krümmt, einer, der immer zuvorkommend, höflich und bescheiden war, so eine Tat begehen? Das sind die Gefühle, die Fragen, um die es in unserem Film geht. Ein Film, der sich auf keine Seite stellt, sondern dem Verfahren Schritt für Schritt folgt, in dem Verzweiflung auf Hoffnung folgt, und auch immer die Angst über den Ausgang des Prozesses mitschwingt: Wird ihr Freund zu „Lebenslang“ verurteilt oder wird er freigesprochen?

Die Indizienkette ist aus Sicht der Freunde dünn. Am Ende, da sind sie sicher, muss ihr Freund als freier Mann den Gerichtssaal verlassen. Der Staatsanwalt ist von der Schuld des Angeklagten überzeugt: Die Spurenlage, die schwierige Beziehung zur Tante, das Tatmotiv und das fehlende Alibi – in der Gesamtschau aller Indizien könne nur Bence T. der Täter sein. Aus Angst enterbt zu werden, habe er am frühen Abend des 15. Mai 2006 seiner reichen Tante Charlotte Böhringer an der Tür ihres Penthouses oberhalb der Parkgarage in der Münchner Innenstadt aufgelauert und mit mindestens 24 Schlägen auf den Kopf ermordet.

Der Film zeigt eine Ausnahmesituation, mit der niemand rechnet, die aus der Bahn wirft, die die jungen Menschen verändert. Bis zuletzt halten sie ihrem Freund die Treue – der Film ist deshalb auch ein eindringliches Dokument der Freundschaft.

Premiere auf dem Dok.Fest München am 12. Mai 2010

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